CRYO BOX

Was ist Kryotherapie?

Als Kryotherapie oder Kältetherapie bezeichnet man den gezielten Einsatz von Kältereizen um einen therapeutischen Effekt zu bewirken. Denn die besondere Wirkweise von Kälte ist schon seit der Antike bekannt. Diese Erkenntnis findet in der heutigen  Ganzkörperkältetherapie ihre Weiterentwicklung. Die Kryotherapie zählt zu den physikalischen Therapieverfahren und wird in unterschiedlichen Einrichtungen als Alternativtherapie oder Ergänzung zu bestehenden Therapien eingesetzt. Aber auch im Amateur- und Profisport wird die Ganzkörperkälte angewendet. Sportler unterschiedlicher Disziplinen setzen Kälte vor oder nach dem Training bzw. Wettkampf zu unterschiedlichen Zwecken ein. Die CRYO BOX wird auch oft Ein-Personen-Kältekammer, Eissauna, Eistonne, Kryosauna oder Kältesauna genannt. Ihre CRYO BOX Sitzung dauert lediglich drei Minuten bei bis zu -160° Celsius. Da es sich um eine trockene Kälte handelt ist die Behandlung sehr gut verträglich und somit auch für ältere Personen geeignet. Durch die extreme Kälte schüttet unser Körper zahlreiche Hormone aus und steigert stark seine Durchblutung, die Sauerstoffversorgung des Gewebes und den Stoffwechsel. Hierdurch entstehen zahlreiche positive Effekte, die durch regelmäßige Wiederholungen verstärkt werden. Das Ziel der Kryotherapie ist es, Ihnen eine bessere Gesundheit zu bieten und sich schneller von Verletzungen zu erholen. Diese Vorteile beginnen mit der Verringerung von Entzündungen, Schmerzlinderung und verbesserter Mobilität.

Was ist eine Thermokontrast Therapie: Wärme trifft auf Kälte

Dabei wärmen wir Ihren Körper zunächst auf +50°C auf, um anschließend die Kälteexposition von bis zu -160°C durchzuführen. Das Reiz-Reaktions-Prinzip ist damit noch spürbarer. Ein Thermospektrum von +50° bis – 160°Celsius. Je nach Beschwerdebild und Wunsch, behandeln wir Sie mit einer einfachen Kältetherapie oder zusätzlich mit vorheriger Wärme.

Effekte Wellness & Beauty

  • Die reinste Endorphin- und Energieexplosion!
  • Bodyshaping: die extreme Kälte strafft Ihr Gewebe, kann Cellulitis, Problemhaut und kleine Falten glätten. Die Behandlung wirkt auch prophylaktisch. Deswegen ist diese Anwendung auch unter Hollywoodstars sehr gefragt.
  • Verbrennen Sie bis zu 700 kcal in einer Sitzung, vergleichbar mit einer Stunde Ausdauersport
  • Stimmungsaufhellung: durch Ausschüttung von Hormonen wie z.B. Endorphine – sie wirken gleichermaßen als Wachmacher
  • Jetlag Reduktion
  • Schlafverbesserung
  • Das erhöhte Wohlbefinden resultiert aus hormoneller Ausschüttung, insbesondere von sog. Glückshormonen (Endorphinen, Noradrenalin, etc.).
  • Die ganzheitliche Kältetherapie, mit dem Fokus, Körper und Geist in Einklang zu bringen
  • Der Cold Shower Effekt – Stressmanagement

Profisport und Fitness

  • Extraboost Regeneration
  • Beschleunigte Entgiftung
  • Normalisierung des Stoffwechsels
  • Modulation und Erhaltung der Topform
  • Schnelleres Behandeln von Gelenken und Muskeln
  • Gewebeneubildung
  • Sofort trainingsbereit
  • Leistungssteigerung
  • Schmerzlinderung

Indikationen der Ganzkörperkältetherapie in der Kältekammer für Mediziner

Arthrosen – degenerativ-rheumatische Erkrankungen von Gelenken – sind neben den entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen ein Hauptindikationsgebiet der Ganzkörperkältetherapie geworden. Das ist auf mehrere Gründe zurückzuführen. Arthrosen sind eine sehr häufige Erkrankung, besonders im fortgeschrittenen Alter. Eine im eigentlichen Sinne ursächliche Behandlung ist gegenwärtig immer noch nicht möglich, so dass auch hier verstärkt nach symptomatisch wirksamen Therapien gesucht wird. Und schließlich hat sich die Ganzkörperkältetherapie durch ihre systemische Wirkung bewährt. Das ist in mehrfacher Hinsicht bedeutsam: Selten befällt die Arthrose nur ein Gelenk. In der Regel sind mehrere (große und kleine) Gelenke betroffen. Im Gegensatz zu lokalen Therapien hat die Ganzkörperkältetherapie den Vorteil der gleichzeitigen Beeinflussung aller arthrotischen Krankheitsherde. Darüber hinaus kann sie durch ihr Mehrkomponenten-Wirkungsspektrum auch mehrere Krankheitsfaktoren der Arthrose zurückdrängen. Ein weiterer Gesichtspunkt ist ihr oft über mehrere Monate und länger anhaltender Therapieeffekt (Schmerzen und Entzündung betreffend).

Anders als die Rheumatoide Arthritis, bei der – wie wir gesehen haben– vordergründig die Innenhaut der Gelenkkapsel an der Krankheitsentstehung beteiligt und der Gelenkknorpel erst als Folgeerscheinung betroffen ist, ist die Arthrose eine Erkrankung, die sich primär im Gelenkknorpel abspielt. Sie beginnt mit mikroskopisch kleinen Einrissen im Knorpel, die sich nach und nach vergrößern. Der Knorpel raut auf, es entsteht Abrieb, der sich frei im Gelenk bewegt. Auch kleinere Knorpelstücke können sich lösen oder aus dem Gewebeverband herausgerissen werden. Zellen des so geschädigten Knorpelgewebes setzen Entzündungsstoffe frei. Es kommt zur Entzündung der Kapselinnenhaut, wodurch rückwirkend das Knorpelgewebe weiter geschädigt wird.

Das Auftreten dieser Verschleißerscheinungen wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Dazu gehören die Abnahme des Wassergehalts des Knorpels, das Nachlassen seiner Elastizität, seine Schichtverdünnung sowie die eingeschränkte Ver- und Entsorgung im Alter. Die Fähigkeit Stöße abzupuffern nimmt ab. Eine besondere Rolle spielt auch ein permanentes Körperübergewicht für Last tragende Gelenke, wie die Hüft- und Kniegelenke. Dadurch kommt es bei Belastung dieser Gelenke zu erhöhten Drücken im Knorpel mit nachfolgenden Ernährungsstörungen. Das Knorpelgewebe besitzt nämlich keine eigene Blutversorgung, so dass die Nährstoffe und der Sauerstoff über die Gelenkflüssigkeit, die von der Innenhaut der Gelenkkapsel gebildet wird, zur Verfügung gestellt werden müssen. Für diesen Vorgang müssen im Knorpelgewebe optimale Druckverhältnisse herrschen, deren dauerhafte Störung aber zu einem chronischen Versorgungsnotstand führt.

Aber auch hormonellen Einflüssen (Fingergelenkarthrosen bei Frauen nach der Menopause) wird eine die Krankheit begünstigende Bedeutung beigemessen, ebenso wie chronischen, partiell beeinträchtigten Gelenkfunktionen durch Fehlhaltungen, einseitige Belastungen und unzureichende Gelenkbewegungen.

Im fortgeschrittenen Stadium, vor allem wenn die Arthrose durch entzündliche Prozesse aktiv geworden ist, schwillt das Gelenk an und ist deutlich erwärmt.

Der Verlauf der Arthrose wird zum Teil von heftigen Schmerzen begleitet, die ihre Ursache

  • im erhöhten Druck auf die Gelenkflächen der beteiligten Knochen,
  • in der Entzündung der Innenhaut der Gelenkkapsel,
  • in der Dehnung der Gelenkkapsel durch den Gelenkerguss und
  • in einem chronischen Reizzustand der gelenknahen Gewebestrukturen (Bänder und Sehnen, aber auch Muskulatur) haben.

Die Schmerzen treten vorwiegend bei und nach körperlicher Belastung auf und lassen bei Ruhe und nachts nach. Später stellt sich dann allerdings auch ein Ruheschmerz ein, der Bewegungseinschränkungen zur Folge hat.

Die Arthrose zeigt nur eine geringe Selbstheilungstendenz. Im Endstadium der Erkrankung kann aber auch als Folge des chronischen Entzündungsverlaufs und der eingetretenen Knochenschäden eine ,,bindegewebliche Reparatur“ ausgelöst werden, die zum teilweisen Ersatz des verloren gegangenen Knorpels und somit zur Symptomminderung und zur Funktionsverbesserung führt.

Die Ganzkörperkältetherapie kann grundsätzlich in allen Entwicklungsstufen der Erkrankung angewendet werden. Nach Möglichkeit sollte aber schon in der Frühphase, in der der Knorpel – wenn auch eingeschränkt– noch funktionsfähig ist, damit begonnen werden.

Die therapeutischen Ansatzpunkte der Ganzkörperkälte werden auf der Grundlage des kurz erläuterten Entstehungsmechanismus der Arthrose erkennbar. Es sind dies:

  • das Schmerzgeschehen,
  • der entzündliche Prozess und
  • die gestörte Funktion gelenknaher Muskelgruppen.

Obwohl der arthrotische Schmerz durch mehrere schädigende Faktoren bedingt ist, gelingt es doch, ihn mit Hilfe der Ganzkörperkälteanwendungen wirksam zu bekämpfen und die vorwiegend durch den Schmerz hervorgerufene Gelenksperre zu öffnen. Damit verbessern sich die Voraussetzungen für die anzuschließende passive und aktive Bewegungstherapie, wobei die mitunter schnell und auf nicht-medikamentösem Wege erreichte Schmerzfreiheit nicht zu übermäßigen (Druck-)Belastungen verleiten darf. Es ist wichtig, mit Hilfe des Therapeuten ein vernünftiges Mittelmaß der Belastung zu finden, um die Nährstoffversorgung des Knorpels über die Drucknormalisierung im Gelenk zu verbessern. Außerdem regt die Erweiterung des Bewegungsumfangs die Versorgung der Knorpelzellen an.

Ähnlich wie die Druckverhältnisse, so ist auch ein bestimmter Viskositätsgrad der Gelenkflüssigkeit für die Stoffwechselbalance des Gelenkknorpels von Bedeutung. Die Ganzkörperkälteanwendung hat diesbezüglich gegenüber der herkömmlichen lokalen Kälteapplikation einen Vorteil. Als Kurzzeittherapie, die die tieferen Gewebeschichten und damit auch den Gelenkinnenraum nicht oder nur kurzzeitig tangiert, beeinträchtigt sie nicht nachteilig die Fließeigenschaften der Gelenkflüssigkeit.

Wie der Schmerz, so werden auch die Entzündungszeichen Erwärmung und Schwellung durch die Ganzkörperkälte wirksam zurückgedrängt. Das spricht dafür, dass das entzündliche Geschehen in seiner gesamten Komplexität therapeutisch erfasst wird.

Ein großer Teil der Arthrose-Beschwerden ist auf die Einbeziehung von Bindegewebe und auch Muskulatur in das Krankheitsgeschehen zurückzuführen. So kommt es zum Beispiel durch schmerzbedingte Fehlbelastungen in den erkrankten Gelenken nicht nur zu Veränderungen der Tiefensensibilität in den Gelenken selbst, sondern auch in den Sehnen und gelenknahen Muskelgruppen. Regelhafte nervale Informationen aus diesen Bereichen sind aber für geordnete Muskelkontraktionen und für den Gleichgewichtssinn unerlässlich. Als Folge der gestörten afferenten Impulse treten Koordinationsstörungen in Verbindung mit Gangunsicherheiten auf.

Die destruktiven Gelenkprozesse bedingen eine vermehrte Ausschüttung von Entzündung und Schmerz fördernden Stoffen, den Mediatoren, vor allem Prostaglandinen, Bradykinin und Serotonin, sowie eine Aktivierung beziehungsweise Sensibilisierung von Nozizeptoren. Außerdem stellt sich über das Autonome Nervensystem eine so genannte sympathikotone Reflexlage ein, die als ursächlich für Durchblutungsstörungen im betroffenen Muskel- und Bindegewebe angesehen werden muss. Muskuläre Abwehrspannungen sowie Muskel- und Bindegewebsverkürzungen sind die Folge.

Im Kapitel 3 des Buches wurden bereits die Wege beschrieben, auf denen die Ganzkörperkältetherapie über die Beeinflussung peripherer und zentraler Steuerungs- und Schutzmechanismen in solche krankhaften Vorgänge eingreifen kann. Es ist deshalb nicht mehr nötig, diese Zusammenhänge nochmals für das arthrotische Geschehen zu wiederholen. Vielmehr zeigt die Abbildung 4.6 zusammenfassend die therapeutischen Ansätze der Ganzkörperkälte.

Klinische Erfahrungen und auch Studien belegen, dass bereits mit 12 bis 15 Expositionen in der Kältekammer gute Therapieerfolge erzielt werden können (86). Im Interesse eines Langzeiteffekts sollte eine serielle Kältetherapie aber etwa 20 bis 25 Anwendungen umfassen. Je nach Schweregrad der Erkrankung sind Therapiewiederholungen in Halb- bis Einjahresabständen anzuraten. Sinnvoll ist auch der prä- und postoperative Einsatz der Ganzkörperkältetherapie, zum Beispiel bei prothetischer Versorgung arthrotischer Gelenke.

Die Ganzkörperkältetherapie ist kein (vollständiger) Ersatz anderer bewährter Arthrose-Therapien. Sie sollte immer Bestandteil eines therapeutischen Gesamtkonzepts sein (medikamentöse Behandlung, Bewegungstherapie, die der Kälteanwendung in kurzem Zeitabstand folgen muss, Techniken zur Muskeldetonisierung, chirurgische Behandlung).

Wie bei entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen, so kann auch bei der Arthrose bei gutem kältetherapeutischen Erfolg in Absprache mit dem behandelnden Arzt eine (zeitweilige) Reduzierung/Absetzung der medikamentösen Therapie in Betracht gezogen werden.

Asthmatiker beschreiben den Aufenthalt in der Kältekammer nicht selten als äußerst wohltuend. Sie sind mitunter geneigt, die Ganzkörperkältetherapie als vollwertigen Ersatz ihrer bisherigen Asthmatherapie anzusehen. In diesem Zusammenhang ist Vorsicht geboten, zumal die Ganzkörperkältetherapie zu einer geringen Verengung der Bronchien (Verästelungen der Atemwege in der Lunge) führen kann (74). Was schon im Zusammenhang mit der Ganzkörperkältetherapie anderer Erkrankungen betont wurde, ist für das Asthma bronchiale ganz vordergründig zutreffend: Sie ist keine Ersatz-, sondern eine Additivtherapie, die unter besonders günstigen Umständen eine Reduzierung der Medikamente ermöglicht. Dazu sollten aber mindestens zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die bisherige Therapie hat zu einem stabilen Zustand geführt.
  2. Es besteht eine gute körperliche und psychische Belastbarkeit.

Beides sollte ärztlich beurteilt werden.

Die Kältetherapie muss einschleichend beginnen, die Aufenthaltsdauer in der Kältekammer sollte erst nach zwei bis drei Tagen auf eine bis zu drei Minuten gesteigert werden. Während der ersten Anwendung sollte der Arzt zugegen sein, weil die Kältereaktionsmuster individuell sehr different sein können.

Der positive Effekt der Ganzkörperkältetherapie auf das Asthma bronchiale (Besserung der Befindlichkeit, Leistungssteigerung) ist offensichtlich in ihrem breiten Wirkungsspektrum zu suchen. Sie hat generell einen atmungsanregenden Effekt. Im Atemstoßtest ist ein Anstieg der Werte unmittelbar nach der Kälteeinwirkung festzustellen. Es tritt ein kurzzeitiger Bronchien erweiternder Effekt ein (16). Die Atemmuskulatur wird detonisiert und die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit wird verbessert. Darüber hinaus ist von einer hemmenden Wirkung auf die chronisch-entzündlichen Prozesse in der Bronchialschleimhaut auszugehen.

Noch ein Wort zum so genannten Kälte-Asthma, einer Form des Asthma bronchiale, bei dem Kälte einen Spasmus der Bronchien auslösen kann.

Prof. Dr. W. Menger hat zur Wirkung des Kältereizes bei Vorliegen einer kälte-asthmatischen Disposition einen interessanten Versuch gemacht und dessen Ergebnis in seinem Buch ,,Klimatherapie an Nord- und Ostsee“(45) publiziert. Er schreibt:

,,Eigene Untersuchungen haben eine bemerkenswerte Reaktion aufgedeckt: Nach einem kurzen Winter-Spaziergang (in witterungsadäquater Schutzkleidung – d.A.) war es bei der Hälfte von jugendlichen Asthmatikerinnen zu einem von der Kälte abhängigen Bronchospasmus gekommen. Dieser wurde durch die Einwirkung der z. T. großen Kälte auf die Haut (Bekleidung mit Badeanzug oder Bikini) aufgehoben… Die Kälte wirkte über die nackte Haut und das unbewusste (vegetative) Nervensystem wie eine krampflösende Inhalation oder ein Spray.“

Die dazu gehörigen Untersuchungsdaten (Atemstoß): Von 28 Asthmatikerinnen stellte sich bei 12 nach dem Winterspaziergang eine Einengung der Atemwege ein. Nach der Ganzkörperkälteeinwirkung besserte sich bei 9 von ihnen der Befund bis zum Ausgangswert.

Der Wirkungsmechanismus, der diesem Befund zu Grunde liegt, ist letztendlich nicht klar. Es ist anzunehmen, dass die oben beschriebenen Kältewirkungen beim Asthma bronchiale auch bei dieser Sonderform auf nerval-reflektorischem Wege ausgelöst werden. Das Kälte-Asthma sollte deswegen nicht als Gegenindikation für die Ganzkörperkältetherapie betrachtet werden. Vielmehr scheint es möglich, über die Haut Reaktionen auszulösen, die zu einer besseren Kälteverträglichkeit des Bronchialsystems beitragen können.

Atopie bezeichnet die meist erbliche Eigenschaft des Organismus, auf bestimmte äußere Reize überempfindlich zu reagieren. Das Ergebnis dieser Überempfindlichkeit sind Erkrankungen, die sich in verschiedenen Organen oder Geweben manifestieren können.

Zu ihnen gehören unter anderem die Neurodermitis (Atopische Dermatitis) und das Asthma bronchiale.

Neuere Forschungen weisen allerdings darauf hin, dass es sich bei diesen Erkrankungen nicht nur um ein Hyperreaktiv des Organismus gegenüber der Umwelt handelt, sondern dass genetische Faktoren ursächlich eine entscheidende Rolle spielen. Das hat zu entsprechenden Differenzierungen in den Krankheitsbezeichnungen geführt. So unterscheidet man die

  • endogene (intrinsische, nicht allergische) von der
  • exogenen (extrinsischen, allergischen)

Form.

Beide Formen der Neurodermitis sind durch den entzündlichen Hautbefund und beide Formen des Asthma bronchiale durch die so genannte Hyperreagibilität des Bronchialsystems gekennzeichnet.

Der positive Einfluss der Ganzkörperkälte auf die Symptome der Neurodermitis (Hautentzündung und Juckreiz) und das Asthma bronchiale wurde – wie bei der Schuppenflechte – eher zufällig bei Personen entdeckt, die zwar unter einer dieser Erkrankungen litten, aber wegen einer entzündlichen Gelenkerkrankung in der Kältebehandlung waren. Inzwischen suchen viele Neurodermitiker und zunehmend auch Asthmatiker die kältetherapeutischen Zentren auf, um dort eine Linderung der oft schweren Zustandsbilder zu erfahren.

Körperliches Gleichgewicht und Bewegungskoordination sind nerval eng miteinander verbunden. Das im Innenohr gelegene Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) kann nur die Lage des Körpers im Raum bestimmen. Zur Wahrnehmung der Position des gesamten Körpers und auch einzelner seiner Teile im Raum sind weitere Informationen erforderlich, die mit denen aus dem Vestibularapparat im Zentralen Nervensystem zu einem Ganzen verknüpft werden müssen. Dieser zweite Informationsanteil kommt aus dem Sehorgan und aus der Tiefensensibilität, der Propriozeption. Mit der Tiefensensibilität und ihrer Beeinflussung durch Kältereize wollen wir uns hier kurz befassen.

Die Sensoren, die auf entsprechende Reize aus der ,,Tiefe“ des Körpers reagieren, befinden sich in der Muskulatur und in den Sehnen, in den Gelenkstrukturen und auch in der Haut. Die Tiefensensibilität vermittelt uns die nervalen Informationen über Stellung und Bewegung des Körpers und der Gliedmaßen sowie über das Ausmaß der Kraft, die die Muskulatur aufwenden muss, um eine bestimmte Körper- oder Gliedmaßenposition einzunehmen oder aufrecht zu erhalten. Ein regelrechter (sprich: nicht gestörter) Informationsfluss aus allen Teilen der Tiefensensibilität ist unabdingbare Voraussetzung für die fein abgestimmte Innervation der an der Bewegungskoordination beteiligten Muskelgruppen.

Störungen der Tiefensensibilität, (krankhafte Veränderungen ihres Afferentationsmusters) sind auf mannigfaltige Art und Weise möglich:

  • Bewegungseinschränkungen der Gelenke durch Entzündungen, Schmerzen und degenerative Veränderungen,
  • Gelenkverletzungen,
  • Fehlbelastungen von Gelenkstrukturen beziehungsweise überhaupt im Skelettsystem,
  • Fehlbelastungen von Muskeln und Muskelgruppen, muskuläre Schwächen und Muskelhartspann, Muskelverkürzungen und muskuläre Dysbalancen,
  • Innervationsstörungen der Muskulatur mit Veränderung ihres Spannungszustands,
  • Immobilisation von Körperteilen beziehungsweise des ganzen Körpers.

Erinnern wir uns an das im Abschnitt 3.1 (Nerval-reflektorische Vorgänge) Beschriebene. Die dort bezeichneten Zusammenhänge – Verschaltung der Kälteafferenzen mit anderen nervalen Funktionskreisen – sind die primären Voraussetzungen dafür, dass Kälteeinwirkung bei Störungen der Tiefensensibilität mit nachfolgender Beeinträchtigung des Koordinationsvermögens therapeutisch genutzt werden kann. Dieser primäre Einfluss wird über die so genannte afferente Hemmung wirksam, die die gegenseitige Beeinflussung der einzelnen afferenten Systeme bezeichnet. Darüber hinaus greift die Kälte sekundär, gewissermaßen modulierend, in die gestörten Systeme ein. Das geschieht über die Entzündungshemmung, die Schmerzausschaltung, die Ödemrückbildung und über die Regulation der muskulären Innervation. Beide Wege tragen dazu bei, dass Chronifizierungen und Sekundärschäden vermieden werden können. Auch hier gilt: Die Ganzkörperkälteanwendung löst nicht das Problem einer Gleichgewichts- und Koordinationsstörung, sie verbessert aber die Bedingungen für aktive Trainingsprogramme.

Auf das Krankheitsbild ,,Chronischer Schmerz“ wird an dieser Stelle nur noch insoweit eingegangen, als es in den vorausgegangenen Abschnitten im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen noch nicht erfolgt ist.

Chronische Schmerzen sind nicht etwa gleichbedeutend mit dem akuten Schmerz nur als ein Symptom, zum Beispiel eines entzündlichen Prozesses, zu verstehen. Sie dauern dagegen über Monate bis Jahre an, können sich verselbstständigen, mit der Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses einhergehen und Ursache für weitere Gesundheitsstörungen sein. Solche Folgeerscheinungen äußern sich dann häufig in chronisch gestörtem Schlaf, depressiven Reaktionen, Lebensqualitätseinbußen und Störung von Sozialbeziehungen.

Das Ursachenspektrum chronischer Schmerzen ist sehr groß und reicht von schweren organischen Erkrankungen über die unzureichende Schmerzbehandlung bis hin zu psychosozialen Faktoren. Oft wirken bei der Entstehung eines chronischen Schmerzzustands mehrere Ursachen zusammen. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass der chronische Schmerz nur selten monotherapeutisch erfolgreich behandelt werden kann. In der Regel führt nur ein komplexes Therapieprogramm, das die Ursachen ausreichend berücksichtigt und neben medikamentösen Standards auch physikalische Therapien, bewegungstherapeutische Elemente zum Aktivitätsaufbau sowie Techniken zur Schmerz- und Stressbewältigung enthält, zum Ziel.

Bei unterschiedlichen Schmerzsyndromen wird die Druckschmerzschwelle durch die Ganzkörperkältetherapie signifikant erhöht. Der chronische Schmerz kann bis zu drei Monate anhaltend (in Einzelfällen auch länger) aufgehoben, bzw. reduziert sein. Auch bei schwer therapierbaren neuropathischen Schmerzsyndromen (z.B. Phantomschmerz) kann die Ganzkörperkälteanwendung eine Therapieoption sein.

Von der Fibromyalgie Betroffene machen häufig die Erfahrung, dass das therapeutische Vorgehen im Einzelfall sehr stark von der Auffassung des jeweils behandelnden Arztes über das Ursachengefüge dieser Erkrankung abhängt. Tatsächlich ist zur Entstehung der Fibromyalgie immer noch zu wenig bekannt und vorliegende pathogenetische Erklärungsversuche sind noch allzu widersprüchlich, um einheitlich und ursachenbezogen behandeln zu können. Leider führt dieser Umstand zu häufigem Arztwechsel. Und genau das ist einer erfolgreichen Therapie sehr abträglich. Hinzu kommt, dass Betroffene nicht immer überzeugt sind, einen großen Teil des erforderlichen therapeutischen Potentials in den eigenen Händen zu halten.

Für die Beurteilung der kältetherapeutischen Relevanz gehe ich davon aus, dass es sich bei der Fibromyalgie in erster Linie um eine Stress- und Schmerzverarbeitungsstörung handelt, die durch

  • einen chronischen Verlauf,
  • über den ganzen Körper verteilte Schmerzen wechselnder Intensität,
  • vielfältige, aber nicht obligatorische, vegetative, funktionelle und psychische Störungen

gekennzeichnet ist.

Eine entzündliche Genese der Fibromyalgie – auch als Fibromyalgiesyndrom bezeichnet – konnte bisher nicht bestätigt werden. Im Gegenteil, Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die Entzündungsparameter sich im Normbereich befinden.

Die Therapie der Fibromyalgie verfolgt regelhaft einen multimodalen Ansatz, der etwa folgende Komponenten beinhaltet, die bei einer Anwendung der Ganzkörperkältetherapie nicht außer Acht gelassen werden dürfen:

  • Klärung/Therapie möglicher Ursachen im somatischen beziehungsweise psycho-sozialen Bereich,
  • physikalische Therapien,
  • moderate Aktivitätsförderung,
  • Entspannungstherapien,
  • Schmerz- und Stressbewältigungstherapien und
  • medikamentöse Therapie.

Wärme- beziehungsweise Kälteanwendungen werden von den Betroffenen hinsichtlich Verträglichkeit und Therapieerfolg unterschiedlich beurteilt. Die Ganzkörperkältetherapie wird seit geraumer Zeit in der Behandlung der Fibromyalgie mit Erfolg angewendet. Sie sollte nur dann zur Anwendung kommen, wenn sie akzeptiert werden kann und die allgemeine Befindlichkeit darunter nicht leidet. Allerdings gibt es gegenüber der therapeutischen Kälte nicht selten subjektiv gefärbte Vorurteile, die durch vorausgegangene Wärmeanwendungen erklärbar sind. Nach einer ,,Probe“ wird dann aber oft gewechselt. Objektiv begründet ist dieser Wechsel in der eindeutigen Überlegenheit der Ganzkörperkältetherapie gegenüber Wärmeapplikationen bezüglich des Hauptsymptoms der Fibromyalgie, der chronischen Schmerzen, wie dolorimetrische Messungen bestätigen.

Im Vordergrund stehen naturgemäß die oft sehr heftigen Weichteilschmerzen und die erhöhte Ermüdungstendenz der Muskulatur. Beweglichkeitsbeschränkungen der Gelenke sind die Folge. Mit etwa zwanzig bis dreißig Kälteexpositionen sind bei diesen Symptomen deutliche Besserungen zu erreichen. Die Erfolgsquote liegt bei graduellen Unterschieden zwischen 40 und 80%. Hinsichtlich eines möglicherweise ausgebildeten Schmerzgedächtnisses und seiner Therapierbarkeit sei auf die Abschnitte 3.2 und 4.4 des Buches hingewiesen. Im Interesse eines nachhaltigen Therapieerfolgs sollte, wenn irgend möglich, die Ganzkörperkältetherapie mit aktivierenden Behandlungen verbunden werden. Zweckmäßig sind gymnastische Übungen im Zeitraum von ein bis drei Stunden nach der Kälteeinwirkung, in denen die Belastung nur langsam gesteigert wird und die zu keiner Schmerzzunahme führen. Anspannungen und Dehnungen der Muskulatur sollen nicht zu lange angehalten werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Schmerzen und Verspannungen die Muskelgruppen in unterschiedlichem Maße betreffen können. Schonhaltungen dieser und Überbeanspruchung anderer Muskelgruppen sind dann oft die Folge. Die Gymnastik soll hier ausgleichend wirken. Eine moderat gesteuerte Ausdauerbelastung kann das bewegungstherapeutische Programm ergänzen. Wichtig ist es, das eigene Maß zu finden, keine ,,Spitzenleistungen“ anzustreben, Ermüdung zu respektieren, schmerzfreie Leistungssteigerungen zu registrieren und freudig zu begrüßen.

Wie wir gesehen haben, kann die Ganzkörperkältetherapie uns helfen, das gestörte zentrale Aktivitätsniveau zu regulieren. Dieser Effekt wirkt sich positiv auf die oft die Erkrankung begleitenden Schlafstörungen und auf die gelegentlich zu beobachtenden depressiven Verstimmungen aus. Beide, sowohl die Schlafstörungen als auch die depressiven Verstimmungen, haben häufig ihre Ursache in den chronischen Schmerzen. Die Minderung – respektive Beseitigung – der Schmerzen und die zentral ausgleichende Wirkung der Kälte führen nicht selten schon nach einigen Behandlungstagen zu erholsamerem Schlaf. Bewährt hat sich die Kombination der Ganzkörperkältetherapie mit der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson, da mit ihrer Hilfe und in Wechselwirkung mit dem durch sie erreichbaren seelischen Ausgleich Spannungs- und Entspannungszustände der Muskulatur wahrgenommen beziehungsweise erlernt werden können.

Die Ganzkörperkälte wirkt durch ihren starken Reiz regulierend auf den Spannungszustand der Blutgefäße im Kapillargebiet der Haut und trägt in Verbindung mit einer der Belastungsfähigkeit angepassten sportlichen Betätigung zur Einschränkung orthostatischer Regulationsstörungen (siehe auch Abschnitt Primäre hypotone Kreislaufregulationsstörungen) und zur Befindlichkeitsbesserung bei.

 

Es ist auch anzunehmen, dass die beschriebene gesteigerte Muskeldurchblutung nach Ganzkörperkälteeinwirkung zur Stoffwechselregulation in der Muskulatur und damit zur Minderung der Beschwerden beiträgt.

Auf mögliche organische Ursachen der Fibromyalgie – wie Wirbelsäulensyndrome und immunvermittelte Krankheiten (sekundäre Fibromyalgie)– wird hier nicht gesondert eingegangen, da die Kältebehandlung dieser Erkrankungen in den vorherigen Abschnitten ausführlich erörtert wird.

Bei immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen wurden Autoimmunprozesse als ursächlich nachgewiesen, beziehungsweise sie werden als krankheitsauslösend angesehen. Der Kreis dieser Erkrankungen ist groß, kältetherapeutische Erfahrungen liegen bei folgenden vor:

  • Rheumatoide Arthritis,
  • Morbus Bechterew,
  • Schuppenflechte, auch mit Arthritis, und
  • Multiple Sklerose.

Wie kommt es zu diesen Erkrankungen?

Das Immunsystem mit seinen hoch spezialisierten Zellen und Eiweißkörpern, den Zytokinen, erfüllt unter physiologischen Bedingungen wichtige Schutzfunktionen für den menschlichen Organismus. Es erkennt schädigende Faktoren, wehrt sie ab oder vernichtet sie über den Weg einer akuten Entzündung. Das Erkennungspotential entsteht prinzipiell bereits in der embryonalen Entwicklung und wird dann im Laufe des Lebens in der Auseinandersetzung mit Krankheitserregern ständig weiter ,,geschult“ und so zu einer wirksamen Abwehrkraft entwickelt. Es kann aber offensichtlich auch primär (anlagebedingt) oder sekundär (erworben) fehlgesteuert werden. Dabei geht ein Teil dieser spezifischen Eigenschaften, nämlich körpereigene Gewebestrukturen nicht anzugreifen – die so genannte Immuntoleranz –, verloren und es kommt zu autoaggressiven Immunreaktionen, die sich in einer primär-chronischen Entzündung äußern und in deren Folge Gewebe zerstört wird. Warum das geschieht, ist noch weitgehend unklar. Die Genforschung scheint aber mehr und mehr Licht in dieses ,,immunologische Dunkel“ zu bringen. So wurde kürzlich erkannt, dass Defekte auf dem Chromosom Nr. 6 für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen verantwortlich sind, unter anderem für die Rheumatoide Arthritis und für die Multiple Sklerose. Auch für den Morbus Crohn, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die ebenfalls auf einer Auto-aggression beruht (siehe auch Menüpunkt – Weitere Indikationen), hat man auf dem Chromosom Nr. 16 ein Risiko-Gen gefunden.

Obwohl Autoimmunerkrankungen Systemerkrankungen sind, also in der Regel den gesamten Organismus tangieren, haben sie doch ganz spezifische ,,Erfolgsorgane“ (Körperregionen, an denen sie sich in spezifischer Weise und für uns offenkundig abspielen). So sind das zum Beispiel

  • bei der Rheumatoiden Arthritis die Gelenke,
  • beim Morbus Bechterew vorwiegend die Wirbelsäule,
  • bei der Multiplen Sklerose das Zentrale Nervensystem,
  • bei der Schuppenflechte (mit Arthritis) die Haut (und Gelenke) und
  • beim Morbus Crohn der Darm.

Eine zentrale Rolle spielt bei diesen Prozessen offensichtlich das Zytokin TNF-α (Tumornekrosefaktor-α). Seine Überproduktion durch Zellen des Immunsystems löst eine ganze Kettenreaktion entzündlicher Vorgänge aus. Es wird die autoaggressive Funktion von Immunzellen gefördert, es werden weitere pro-entzündliche Zytokine freigesetzt beziehungsweise aktiviert, und es werden die Blutgefäßwände für aggressive Immunzellen durchlässig, die so in das Zielgebiet einwandern können. Aus diesen immunologischen Erkenntnissen, besonders aus der Entdeckung der zerstörerischen Wirkung von TNF-α, wurden hoch wirksame Therapien entwickelt.

Es ist das Verdienst von Professor Reinhard Fricke, als erster prinzipiell auf die Möglichkeiten der Einflussnahme auf diese Störungen im Immunsystem mittels Ganzkörperkälteanwendung aufmerksam gemacht zu haben. Mit seinen Untersuchungen zur Ganzkörperkältewirkung bei der Rheumatoiden Arthritis und beim Morbus Bechterew konnte er die (modulierende) Wirkung der Therapie auf das Verhalten von T-Lymphozyten und einiger Zytokine zeigen und damit auf den Angriffspunkt der Ganzkörperkältetherapie bei Autoimmunerkrankungen hinweisen. Unter der Kälteeinwirkung −110 °C und darunter kommt es zu einem Absinken der entzündungsfördernden Immunzellen, der proinflammatorischen Zytokine und anderer Entzündungsparameter sowie einem Anstieg der entzündungshemmenden Immunzellen und der antiinflammatorischen Zytokine. Bei einer Expositionstemperatur von −80 °C wird dieser Effekt nicht erreicht. Das ist in Übereinstimmung mit der ausbleibenden Schmerzlinderung bei Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis, die bei einer therapeutischen Temperatur von −110 °C signifikant ist.

Die Indikationsliste für die Ganzkörperkältetherapie wurde in den letzten Jahren auf der Grundlage theoretischer Erkenntnisse sowie klinischer Studien und Erfahrung immer besser begründet und auch erweitert. Die Auffassungen zu einigen Indikationen sind in den kältetherapeutischen Zentren aber durchaus noch nicht einheitlich.

Die dem Buch entlehnte Indikationsliste enthält somit einerseits Krankheiten, bei denen die Ganzkörperkältetherapie hinreichend erprobt ist, wie zum Beispiel entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Arthrosen (degenerativ-rheumatische Erkrankungen) und chronische Schmerzen unterschiedlicher Ursache. Andererseits wurden Erkrankungen beziehungsweise gesundheitliche Störungen aufgenommen, bei denen zwar klinische Erfahrungen mit positiven Behandlungsergebnissen vorliegen, die aber teilweise noch unterschiedlich beurteilt werden. Das betrifft zum Beispiel das Asthma bronchiale, die angeführten Hautkrankheiten, die zentrale Muskelspastik sowie Störungen des zentralen Aktivitätsniveaus. Einige der analysierten Indikationsspektren enthalten weitere Erkrankungen (Neuralgien, Zustände nach Schlaganfall, Kollagenosen und einige weitere Autoimmunkrankheiten), die nicht in die Erörterung einbezogen werden.

Es bleibt weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten, die noch mit Zweifeln behafteten Indikationen besser zu begründen oder auch auszuschließen. So gesehen sind die hier aufgenommenen Indikationen optional, und die Anwendung der Ganzkörperkältetherapie muss in jedem Einzelfall ärztlich geprüft werden.

Einen besonderen Platz nehmen die leistungssteigernden Effekte der Ganzkörperkältetherapie ein. Sie werden im Buch in einem gesonderten Kapitel behandelt.

Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat die Ganzkörperkältetherapie in Ihre „Klassifikation therapeutischer Leistungen in der medizinischen Rehabilitation“ aufgenommen. Sie ist für die Indikationen „Entzündliche Gelenkerkrankungen und Schmerzsyndrome“ mit den Therapiezielen „Verminderung der entzündlichen Aktivität, Schmerzreduktion, Funktionsverbesserung“ vermerkt.

  1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen mit Hauptmanifestation an den Gelenken (Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew)
  2. Degenerativ-rheumatische Erkrankungen (Arthrosen großer und kleiner Gelenke, auch vor und nach endoprothetischer Versorgung, postoperative Ödeme)
  3. Hals- und Lendenwirbelsäulen-Syndrome (Diskopathien, Lumbago, Ischiassyndrom), auch prä- und postoperativ
  4. Tendopathien (Tennisellenbogen, Entzündungen der Achillessehne, Fersenschmerz)
  5. Chronische Schmerzzustände, auch primäre Kopfschmerzen, Schmerz- und Stressverarbeitungsstörungen (Fibromyalgie)
  6. Gestörte Regulation des Muskeltonus (Spastik) bei Infantiler Zerebralparese, Multipler Sklerose, Muskelverspannungen, Muskelverhärtungen
  7. Stumpfe Traumen der Gelenke und der Muskulatur
  8. Schuppenflechte ohne und mit Gelenkbeteiligung
  9. Atopische Dermatitis (Neurodermitis), Asthma bronchiale
  10. Muskuläre Ermüdungserscheinungen
  11. Gleichgewichtsstörungen, Störungen der Bewegungskoordination
  12. Störungen des zentralen Aktivitätsniveaus (zentrale Ermüdungserscheinungen, Burn-out-Syndrom, sympathikotone, parasympathikotone und depressive Reaktionslagen, nichtorganische und schmerzbedingte chronische Schlafstörungen)
  13. Allgemeine psychophysische Leistungsminderung
  14. Immunreaktionsstörungen, ausgelöst durch extreme muskuläre Beanspruchungen, alters- beziehungsweise stressbedingte Funktionseinschränkungen des Immunsystems
  15. Primäre hypotone Kreislaufregulationsstörungen

Bei der Infantilen Zerebralparese (Kindliche Hirnlähmung) handelt es sich um eine chronische Haltungs- und Bewegungsstörung in Folge einer Schädigung des Zentralen Nervensystems, die vor, während oder unmittelbar nach der Geburt eingetreten ist. Lokalisation und Ausprägung der Lähmungen können unterschiedlich sein. Im Ergebnis der zentralen Schädigung kommt es zu einer Innervationsstörung der Skelettmuskulatur (erhöhte γ-Motoneuronenaktivität). Die Folge ist eine permanent verstärkte Spannung (Spastik) in bestimmten Muskelgruppen, wodurch die sonst feine Abstimmung zwischen gleich- und gegensinnig arbeitenden Muskeln nicht mehr möglich ist und krankhafte Bewegungsmuster ausgebildet werden.

Die Kältebehandlung spastischer Muskeltonuserhöhungen ist nicht neu. Sie stützt sich auf ,,das reziproke Verhalten der α- und γ-Motoneuronen-aktivität auf Kältereize“,  Skelettmuskulatur und Kältewirkung – dargelegt wurde (Absenken der Aktivität der γ-Motoneuronen, Aktivierung von α-Motoneuronen; Unterdrückung von Reflexbewegungen im Rückenmark). Über diesen Wirkungsmechanismus kann der Muskeltonus gesenkt, bzw. ausgeglichen werden.

Die Ganzkörperkälte wird sowohl bei spastischen Kindern als auch im Erwachsenenalter eingesetzt und sollte wegen ihrer äußerst patientenfreundlichen Anwendungsform die noch gelegentlich üblichen Kaltwasserbäder vor den gymnastischen Übungen bald vollständig verdrängt haben.

Der bis zu dreiminütige Aufenthalt in der Kältekammer etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Bewegungstherapie führt zu einer mäßigen Lockerung der spastischen Muskulatur und somit zu besseren Voraussetzungen für die anschließende aktive Therapiekomponente. Ein enges Zusammenwirken zwischen dem Kälte- und dem Bewegungstherapeuten ist unumgänglich, um die optimale Kältedosierung herauszufinden, damit eventuell im Therapieverlauf durch eine Überdosierung entstehende gegenläufige muskuläre Dysbalancen rechtzeitig ausgeglichen werden können. Die Therapieergebnisse sollten deshalb auch nach einer standardisierten Methode beurteilt werden.

Im Einzelnen können folgende Therapieergebnisse erreicht werden, wenn die Ganzkörperkältetherapie in sinnvoller Wiese mit den bei spastischen Lähmungen eingesetzten Behandlungsmethoden verbunden wird: Bei etwa 70% kältetherapeutisch (−110 °C) behandelter Kinder und Erwachsener treten Verhaltensverbesserungen ein, die mehrere Wochen vorhalten können. Die Spastik wird vermindert und die spontane motorische Aktivität nimmt zu. Die Betroffenen werden kontaktfreudiger, ihre Stimmungslage wird angehoben. Sie zeigen eine verbesserte Übungsakzeptanz. Ihr Schlafverhalten ist gebessert. Bei etwa 10% der Betroffenen bleibt das Verhalten unverändert. Als negative Erscheinungen wurden eine vermehrte Reizbarkeit und Einschlafstörungen beobachtet (59).

Die primäre hypotone Kreislaufregulationsstörung – eine sekundäre Störung, zum Beispiel in Folge unzureichender Herzleistung muss ausgeschlossen sein – ist mit physikalischen Maßnahmen gut zu behandeln. Die unangenehmen Symptome der Hypotonie, wie allgemeine Schwäche und Unlust, Müdigkeit und Schwindelzustände, besonders bei Körperlageveränderungen und bei hohen Umgebungstemperaturen, haben ihre Ursache in einer unökonomischen Verteilung der an und für sich ausreichenden Blutmenge. Der unzureichende venöse Spannungszustand führt zur Blutanreicherung in den Beinen sowie im Becken und Bauchraum. Der systolische Blutdruck sinkt ab, der diastolische steigt an. Die Hirndurchblutung wird verringert, es treten die erwähnten Symptome auf.

Regelmäßige Kältereize, die zu einer Vasokonstriktion führen, bewirken einen Trainingseffekt an den der Kälte ausgesetzten vorwiegend venösen Blutgefäßen und tragen zur Normverteilung des Bluts bei. Die Kältereize müssen gut dosiert werden, damit den Blutgefäßen genügend Zeit zur Reaktion und Adaptation zur Verfügung steht. Bei einer Überdosierung der Kälte besteht die Gefahr, dass die Gefäße habituieren, das heißt, sie ,,gewöhnen“ sich an den Kältereiz und reagieren nicht mehr mit einer Verengung. Die Blutdruckkontrolle vor und nach der Kälteeinwirkung ist unumgänglich. Da das Kälte-Gefäßtraining über mehrere Wochen fortgesetzt werden muss, ist es zweckmäßig, die Behandlung mit einer ein- bis zweiwöchigen Ganzkörperkältetherapie einzuleiten, nach Möglichkeit schon im Wechsel mit Wärmeapplikationen, und dann konsequent mit thalassotherapeutischen Anwendungen, Bädern und Güssen wechselnder Temperatur fortzusetzen. Eine angemessene sportliche Betätigung ergänzt das Programm (Aktivierung der ,,Muskelpumpe“ für die großen Beinvenen, Atemgymnastik).

Durch Kältetherapien werden physikalische Einwirkungen so stark, dass der Körper sofort eine wirksame chemische Reaktion auslöst. Dies hat zur Folge, dass die internen Abwehrmechanismen stärker als sonst aktiv werden. Dadurch findet eine vermehrte Ausschüttung von z.B. Enzyme, Coenzyme, Cofaktoren, usw. statt. Die biochemische Botenstoffreaktionen äussern sich durch ebenfalls vermehrte hormonelle Ausschüttung von Serotonin, Dopamin, Adrenalin, usw. Zugleich entgiftet der kalte komprimierte Sauerstoff die Muskulatur (ohne Laktatanstieg). All dies sorgt für einen schnellen und natürlichen psychosomatischen Ausgleich und einen vermehrten positiven Einfluss auf die allgemeine Motivation und mentale Befindlichkeit. Je nach dem werden 6 – 12 Therapien empfohlen. Eine ähnliche aber viel schwächere Reaktion, kann auch mit regulären Saunabesuchen erzielt werden. Diese hat aber mit wechselhaften Kaltbädern zu erfolgen. Denn nur so werden die nötigen Reaktionen angeregt.

Wechseljahresbeschwerden bei den Frauen

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass eine durchschnittliche Frau fast ein Drittel ihres Lebens in den Wechseljahren verbringt. Dies ist der Moment, in dem der natürliche Alterungsprozess beginnt und die Fortpflanzungsperiode einer Frau endet. Das Durchschnittsalter, in dem Frauen Wechseljahre erleben, beträgt 52 Jahre, nur wenige erleben die Peri Menopause (Übergangsphase) in den frühen 40ern und mittleren 30ern. Die Peri Menopause ist eine prämenopausale Erkrankung, die einen völlig natürlichen Übergang im Leben einer Frau darstellt und daher keine Ursache für eine Panik sein sollte. Lifestyle-Interventionen können jedoch erheblich dazu beitragen, die Symptome während der Peri Menopause zu bekämpfen. Dazu gehören regelmässige Bewegung und eine Ernährung, die reich an Phytoöstrogenen, natürlichen pflanzlichen Östrogenen (die in Lebensmitteln wie Sojabohnen und dunkelgrünem Blattgemüse wie Brokkoli vorkommen) ist.

Die Menopause

Wechseljahre im engeren Sinne bedeuten eine dauerhafte Unterbrechung der Menstruation als Folge des Rückgangs der Produktion der wichtigsten Sexualhormone – Östrogen und Progesteron. Das Wort selbst sagt – Meno (Menstruation, Mond) und Pause (Pause, Beendigung) aus. Es tritt in der Regel im Alter zwischen 48 und 52 Jahren auf. Die Menopause ist in drei Perioden unterteilt:

Vor der Menopause: ein Zeitraum von 2 bis 5 Jahren vor der Menopause, wenn eine Störung der Eierstockfunktion und damit der Hormonproduktion vorliegt.

Peri Menopause: Wechseljahre oder eine Übergangsphase, in der die Menstruation zu verschwinden beginnt und nach 12 Monaten ohne Menstruationsblutung die Menopause offiziell beginnt.

Postmenopause: die Zeit, in der keine Sexualhormone mehr ausgeschüttet werden und es zu drastischen Veränderungen im Körper kommt. Es ist in zwei Stadien unterteilt – früh (vor 70) und spät (nach 70) nach den Wechseljahren.

Die ersten Anzeichen

Obwohl jede Frau den Beginn der Wechseljahre auf ihre eigene Weise erlebt, sind einige Symptome bei allen gleich, unabhängig von ihrer Intensität und Erscheinungszeit. Die Hauptsymptome sind: Hitzeattacken, sogenannte Wallungen, gefolgt von Schwitzen, insbesondere nachts. Stimmungsänderungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen können – Reizbarkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Angstgefühle, Depressionen. Gestörte Schlafqualität ggf. Vergesslichkeit. Durch den Verlust von Hormonen werden die Wände der Gebärmutter dünner und in der Folge tritt eine vaginale Trockenheit auf, die dann unter anderem zum Verlust des Verlangens nach Geschlechtsverkehr führt. Hautveränderungen – Trockenheit, Verlust an Elastizität und Dichte, Auftreten neuer Falten und sogar Altersflecken und -fehler im Gesicht. Durch die Pigmentierung der Haut verliert das Gesicht an Glanz und Frische. Das Haar unterliegt starken Veränderungen (ausdünnen, austrocknen, Elastizitäts- und Glanzverlust). Gewichtszunahme aufgrund von Änderungen des Lebensstils. Eventuell Osteoporose, Osteopenie – Abnahme der Knochendichte, Gelenk- und Muskelschmerzen. Kardiovaskuläre Erkrankungen – aufgrund des Östrogenverlustes werden Frauen anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutgefäße sind weniger elastisch, schlechtes Cholesterin kann schnell ansteigen.

Symptome lindern und Schönheit bewahren

Die Menopause ist ein völlig natürlicher physiologischer Prozess und sollte akzeptiert werden. Eine positive Einstellung führt zu positiven Ergebnissen. Jedes Symptom kann gelindert werden. Die natürlichen Wege sind immer die Besten! Achten Sie auf das EBE-Prinzip (Ernährung – Bewegung – Erholung)

Ernährung korrigieren: Künftig vermehrt Obst, Gemüse, Eintöpfe und Salate sowie Milchprodukte zu sich nehmen. Weniger Zucker und rotes Fleisch, dafür mehr weißes Fleisch und Fisch, Müsli und Olivenöl. Mehr Lebensmittel, die reich an Vitamin B, Kalium, Magnesium, Eisen, Jod und Chrom sind. Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren (Lachs) ist ebenfalls erforderlich.

Schlechte Gewohnheiten verabschieden: beenden Sie das Zigaretten rauchen, weiters nur noch kontrollierten (gemässigten) Konsum von Alkohol- und Kaffee.

Körperliche Aktivität: Laufen Sie mindestens 30 Minuten am Tag, vorzugsweise in der Natur. Geben Sie sich den Liebesaktivitäten – auch wenn die Lust nicht gerade präsent ist. Liebemachen wirkt Wunder in vielerlei Hinsicht (Altersausreden sind so was von albern)! Der Appetit kommt mit dem Essen und wer rastet der rostet. Also aktiv bleiben – euch zu liebe!

Aufnahmen von Vitaminen und Mineralien: hauptsächlich Kalzium, da sein Mangel zu Osteoporose (Knochenschwund) führt. Vitamin D sollte auch eingenommen werden, da es die Bindung von Kalzium an den Knochen fördert und sich positiv auf das Nervensystem auswirkt. Vitamin E ist eines der besten Antioxidantien im Körper, dass die Zellen vor Schäden durch freie Radikale schützen. Zusammen mit Vitamin C ist es eine gute Vorbeugung gegen Herzkrankheiten und Blutgefässe.

Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie täglich 8 Gläser Wasser; die Flüssigkeitszufuhr für den Allgemeinzustand des Körpers ist äusserst wichtig.

Pflanzliche Heilmittel: Zitronenmelisse hat eine entspannende Wirkung, beruhigt und verbessert die Stimmung und geistigen Fähigkeiten; Der Kantarion hilft bei Depressionen, Wallungen, Nachtschweiß und Schlaflosigkeit. Salbei wird seit der Antike für diese Zwecke verwendet. Lavendel und Minze lindern Kopfschmerzen.

Angemessene Pflege: Wilde Hormone in den Wechseljahren haben weder auf dem Haar noch auf der Haut Gnade. Der natürliche Alterungsprozess bringt grosse Veränderungen mit sich, die sich auch auf das Aussehen auswirken. Falten können gelindert, ein gesunder Teint erhalten und Haarausfall vorgebeugt werden, aber nur mit den richtigen Präparaten. Konsultieren Sie bitte diesbezüglich entsprechende Fachstellen.

Andropause – hormonelle Veränderungen bei Männern

Wenn Männer älter werden, durchlaufen auch sie hormonelle Veränderungen, und diese Periode wird als Andropause bezeichnet. So wie Frauen die Wechseljahre durchmachen, leiden auch Männer unter Veränderungen, die zugegebenermaßen subtiler sind. Mit der Andropause kommt es zu einem langsamen Abfall des Testosteron-Hormonspiegel, einem langsameren Stoffwechsel und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Probleme. Diese Veränderungen können Ihre Stimmung, Ihre Konzentration, Ihr Sexualleben und die Gesundheit Ihrer Prostata gefährden.

Was ist Andropause und was sind die Symptome?

Man kann sagen, dass die Hauptursache für die Andropause der Alterungsprozess ist, aber die Geschwindigkeit der Symptomentwicklung wird auch vom Lebensstil beeinflusst. Es ist daher vermehrt auf Alkoholkonsum, Rauchen und Stress zu achten. Dies ist eine Zeit der verminderten Sekretion männlicher Sexualhormone – Testosteronspiegel, Spermienzahl und Beweglichkeit sind reduziert. Obwohl die ersten Symptome nach dem 30. Lebensjahr auftreten können, treten bei 30 bis 40 Prozent der Männer erst zwischen 45 und 55 Jahren Andropause auf. Die ersten Anzeichen treten nach dem 30. Lebensjahr auf. Testosteronhormon fällt ab und verursacht Veränderungen wie: reduzierter Sexualtrieb, emotionale und psychologische Verhaltensänderungen, Reduzierung der Muskelmasse, Muskelkraftverlust, Zunahme des Fettgewebes, schwache Knochen und Schmerzen im unteren Rücken. Es ist interessant, dass einige Männer in dieser Phase ihres Lebens weicher und sinnlicher werden und dass ihre Beziehung zu ihrem Partner emotionaler wird.

Symptome lindern und Agilität bewahren

Es gelten etwa die gleichen Vermerke wie bei den Frauen. Siehe oben «Symptome lindern…»

Fragebogen zu Symptomen der Andropause

Andropause-Tests werden verwendet, um den subjektiven Zustand eines Patienten zu bewerten, und der ADAM-Test (Androgen Deficiency of Ageing Man) sieht folgendermaßen aus und beinhaltet ca. 15 Fragen:

1. Sind Sie 50 oder älter? 2. Hatten Sie in den letzten 6 Monaten eine verminderte Libido? 3. Haben Sie Schwierigkeiten mit einer schwächeren Erektion? 4. Fühlen Sie einen Mangel an Muskelkraft oder Ausdauer? 5. Haben Sie eine Abnahme der Körpergröße bemerkt? 6. Können Sie das Leben nicht mehr so genießen wie früher? 7. Sind Sie oft launisch, besorgt oder traurig? 8. Fühlen Sie einen allgemeinen Energiemangel? 9. Treiben Sie nicht mehr so oft Sport wie früher? 10. Schlafen Sie oft kurz nach dem Abendessen ein? 11. Haben Sie Gelenk- und Muskelschmerzen? 12. Haben Sie plötzliche Anfälle von Schwitzen oder fühlen Sie sich heiß? 13. Sind Sie müde und haben Mühe einzuschlafen oder wachen Sie zu früh auf? 14. Sind Sie oft angespannt oder nervös? 15. Sind Sie sehr schnell aufbrausend und können Sie sich nicht zurückhalten?

Wenn Sie fünf oder mehr Fragen bejaht haben, erfüllen Sie wahrscheinlich die Kriterien für die Symptomatik der Andropause, und es ist ratsam, sich an Ihren Arzt zu wenden. Nach der Untersuchung und dem Befund wird dem Patienten wahrscheinlich eine Testosteronersatztherapie angeboten.

Prof. Papenfuß hatte sich eigentlich vorgenommen, keine Einzelfallbeschreibung in sein Buch aufzunehmen. Nun erlag er doch der Versuchung und möchte in aller Kürze und ohne den klinischen Befund das Beispiel eines vom Morbus Bechterew betroffenen Herrn schildern, der im Kurzentrum Bad Häring mit der Ganzkörperkälte behandelt wurde. Die Krankheit hatte ihn über die Jahre wirklich niedergedrückt. Als ich ihn das erste Mal traf und ihn nach seinem Therapieziel fragte, überraschte mich doch seine von Bescheidenheit getragene Antwort: „Ich möchte in meiner Wohnung wieder selbst das Licht ein- und ausschalten können, seit langem erreiche ich die Schalter nicht mehr.“ Dieses Ziel war schon nach wenigen Tagen intensiver Kälteanwendung überboten. Als ich ihn im Frühjahr des folgenden Jahres wieder traf, berichtete er mir voller Stolz, dass zwei, jeweils dreiwöchige serielle Kältetherapien ihn wieder soweit hergestellt hatten, dass er im vergangenen Winter erstmals seit vielen Jahren wieder auf seinen geliebten Skiern gestanden sei und zwar auf einer Strecke von mehr als 150 Kilometern.

Natürlich, nicht in jedem Fall zeitigt die Ganzkörperkältetherapie einen solchen Erfolg, aber eine deutliche Zustandsbesserung ist die Regel.

Wie die Rheumatoide Arthritis, so ist auch der Morbus Bechterew eine im-munvermittelte, chronische, entzündlich-rheumatische Erkrankung, die das Bewegungssystem befällt. Typisch ist ein Verknöcherungsprozess an der Wirbelsäule mit einer Neigungskrümmung. Aber auch Gelenke außerhalb der Wirbelsäule, hauptsächlich der unteren Extremität, und auch innere Organe können betroffen sein. Der entzündliche Prozess verursacht Schmerzen, Versteifungen und Einschränkungen der Gelenkfunktion. Zu heftigen Schmerzen können auch Entzündungen im Bereich der Sehnenansätze führen.

Auch der Morbus Bechterew kann heute noch nicht kausal behandelt werden. Eine um so größere Bedeutung haben deshalb andere, schmerz- und entzündungshemmende Therapieformen. Neben der medikamentösen Therapie sind das in erster Linie die Krankengymnastik, physikalische Therapien und gegebenenfalls auch Bestrahlungen. Die Ganzkörperkältetherapie ist bei vorhandenen Voraussetzungen inzwischen fester Bestandteil der Behandlung geworden. Ihre Wirkung ist hinreichend belegt.

Das therapeutische Vorgehen unterscheidet sich nicht von dem bei der Rheumatoiden Arthritis beschriebenen. Bei konsequenter Behandlung ist in aller Regel eine Rückläufigkeit des entzündlichen Geschehens, eine Linderung beziehungsweise Beseitigung der Schmerzen, eine Reduzierung der Medikamente und in Maßen eine Besserung der Gelenkbeweglichkeit zu erreichen. Man kann auch hier nach einer seriellen Kälteanwendung von einer Wirkungsdauer bis zu zwei Monaten, in manchen Fällen bis zu einem halben Jahr ausgehen.

Die Ganzkörperkältetherapie ist besonders auch dann angezeigt, wenn – wie es beim Morbus Bechterew vorkommt – die Erkrankung mit einer Schuppenflechte oder mit einer chronischen Darmentzündung (Morbus Crohn) vergesellschaftet ist, die auch als Autoimmunerkrankungen anzusehen sind (siehe auch Menüpunkt „Schuppenflechte“ und „Weitere Indikationen“).

Die Multiple Sklerose ist eine immunvermittelte chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet ist, die häufig nach Vorkommen und Intensität wechseln. Neben den immunvermittelten Störungen treten auch degenerative Veränderungen im Nervensystem auf, bei denen der oxidative Stress als auslösend angesehen wird. Die Sauerstoffradikale haben Einfluss auf die Demyelinisierung (Zerstörung der umhällung von Nervenfasern). In diesem zusammenhang ist von Bedeutung, dass der totale antioxodative Status durch die Ganzkörperkältetherapie erhöht wird. Die Erkrankung kann in Schüben, auch mit Rückbildung der Symptome, oder chronisch fortschreitend verlaufen. Auch die Multiple Sklerose kann noch nicht ursächlich, sondern nur symptomatisch behandelt werden.

Viele Betroffene berichten immer wieder, dass Kälte als wohltuend empfunden wird. Das Allgemeinbefinden würde sich bessern. Hiervon ausgehend und unter Berücksichtigung der positiven Wirkung extremer Kältereize auf die spastische Muskulatur haben schon vor mehreren Jahren einige Kältetherapiezentren damit begonnen, die Multiple Sklerose mit Ganzkörperkälteanwendungen zu behandeln. Inzwischen liegen klinische Beobachtungen vor, die die positive Kältewirkung unterstreichen. Die Ergebnisse stellen sich wie folgt dar:

  • Der Zustand nach der Ganzkörperkälteeinwirkung wird als angenehm beschrieben.
  • Das Gesamtbeschwerdebild ist gelindert.
  • Man fühlt sich leistungsfähiger, weniger schnell ermüdbar und mental aktiver.
  • Die Spastik ist reduziert, gymnastische Übungen können exakter ausgeführt werden.
  • Die Motorik, das Gangbild und die Mobilität sind gebessert. Gleichgewichtsstörungen sind gemindert.
  • Schmerzen werden deutlich gelindert beziehungsweise aufgehoben. Hauptsächlich betrifft das die Sekundärschmerzen, die vorwiegend durch Haltungsstörungen der Wirbelsäule, Verspannungen der Muskulatur und Fehlbelastungen der Gelenke entstehen.
  • Die Betroffenen schildern den nach der Kältetherapie erreichten Zustand als eine deutliche Zunahme an Lebensqualität.

Es ist anzunehmen, dass diese Behandlungsergebnisse auf die beschriebene Mehrkomponentenwirkung der Ganzkörperkältetherapie (Beeinflussung des zentralen Aktivitätsniveaus, Regulierung der Muskelaktionen, Entzündungshemmung, Schmerzlinderung) zurückzuführen sind.

Nach bisherigen Erfahrungen sollte die Ganzkörperkältetherapie jährlich zweimal für zwei bis drei Wochen, zwei Expositionen täglich, angewendet werden, vorwiegend in Verbindung mit gymnastischen Übungen, die gezielt die individuell ausgeprägte Symptomatik berücksichtigen. Die Empfehlung für die Therapiefolge basiert auf der Erkenntnis, dass die Zustandsbesserung sich etwa linear zur Therapiedauer, nämlich zwei bis drei Wochen, verhält. Obwohl auch kürzere Kältebehandlungen bereits gute Erfolge zeitigen können, sollte man wissen, dass sie nicht das Erreichbare darstellen. Andere, bereits vorher angesetzte Behandlungen müssen fortgeführt werden. Änderungen, wenn überhaupt, sollten nur nach Konsultation des behandelnden Arztes vorgenommen werden.

Es ist von besonderer Bedeutung, die individuell erforderliche und verträgliche Dosis der Ganzkörperkälteanwendungen in Abhängigkeit von der Fähigkeit, auf die extremen Reize auch adäquat reagieren zu können, zu bestimmen. Voraussetzung dafür ist eine aufgeschlossene Mitarbeit des Betroffenen. Es muss darauf geachtet werden, dass bei Besserung des Zustands die körperliche Belastung nicht den Bereich des Wohlbefindens überschreitet. Die mitunter erstaunliche Symptomminderung unter der Therapie kann leider dazu verleiten!

Prof. Papenfuß hatte im April 2005 mehr oder weniger zufällig die Gelegenheit, im Kurzentrum Bad Bleiberg in Kärnten Mitglieder von Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppen aus Abensberg und Nürnberg kennen zu lernen, die dort zur Kältetherapie weilten. In sehr angenehmen und zugleich anregenden Gesprächen erhielt ich von ihnen viele wertvolle Informationen zur Wirkung der Ganzkörperkältetherapie bei ihrem Krankheitsbild. Dafür möchte er sich ganz herzlich bedanken.

Viele Betroffene sind mit der Therapie ihrer Erkrankung unzufrieden. Das liegt nicht am Unvermögen des behandelnden Arztes, sondern vielmehr daran, dass es der medizinischen Forschung bisher nicht gelungen ist, ursächliche Therapieansätze zu entwickeln. Außerdem fehlt es nach wie vor gegenüber einigen Therapeutika an der Akzeptanz durch den Patienten als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Hinzu kommt, dass – aus welchen Gründen auch immer – oft monotherapeutisch vorgegangen wird und damit verschiedene krankheitsbegünstigende Faktoren unberücksichtigt bleiben. Es sei auch darauf verwiesen, dass die Ganzkörperkältetherapie nicht das Vermögen besitzt, andere etablierte Therapien vollständig zu ersetzen.

Je nach Schwere des Krankheitsbilds können bis zu 30 Kälteexpositionen erforderlich sein.

Die Wahrscheinlichkeit eines möglichst anhaltenden Therapieeffekts steigt mit zunehmender Therapiezahl.

Die Therapie sollte nach Möglichkeit stationär – zum Beispiel in einer Kurklinik – erfolgen (Herauslösen aus den mitunter durch Stress und andere psychische Faktoren den Fortbestand der Krankheit fördernden Umständen). Lokaltherapeutika sollten vor der Kälteanwendung entfernt und danach wieder frisch aufgetragen werden. Überhaupt sollte eine vorher eingeleitete Behandlung mit Beginn der Kältetherapie niemals abrupt abgebrochen werden.

Der Juckreiz lässt in der Regel schon innerhalb der ersten Therapietage nach, die Hautentzündung ist nach etwa einer Behandlungswoche rückläufig. Neben der entzündungshemmenden Wirkung der Kälte ist, soweit es den Juckreiz betrifft, auch ihre schmerzlindernde Wirkung von Bedeutung. Die nervalen Erregungen, die aus dem Juckreiz resultieren, werden im Rückenmark wahrscheinlich über dieselben Nervenbahnen geleitet wie die Schmerzafferenzen. Es kann deshalb angenommen werden, dass für die Linderung des Juckreizes unter kurzfristiger Einwirkung extremer Kälte ein ähnlicher Mechanismus wirksam ist, wie er für die Schmerzlinderung im Abschnitt 3.2 des Buches beschrieben wurde.

Eine verhaltenstherapeutische Begleitung der Kältetherapie ist zu empfehlen (Entspannungstechniken, Stressbewältigung, Abbau von sozialen Ängsten, Verhinderung des Kratzens durch verbesserte Selbstkontrolle). Eltern neurodermitischer (Klein-)Kinder sollte geraten werden, vor Beginn der Ganzkörperkältetherapie eine probiotische Therapie zum Aufbau einer normalen Darmflora (Regulation von gestörten Immunfunktionen) vornehmen zu lassen.

Die hervorstechenden Merkmale dieser Schlafstörung sind überwiegend relativ leicht erkennbar:

  • ein permanent erhöhtes Aktivitätsniveau mit innerer Unruhe und Ängsten, das auch nachts mit langen Wachphasen andauert,
  • vergebliche angestrengte Einschlafbemühungen, Ängste vor der Nacht,
  • Grübeln und ängstliches Gedankenkreisen, die das Einschlafen verhindern und die oft langen Wachphasen ausfüllen,
  • körperliche Unruhe, Muskelverspannungen und vegetative Symptome, wie etwa ,,Herzrasen“,
  • gestörte Stressverarbeitung bei erhöhter Ausschüttung von Stresshormonen und schließlich
  • Müdigkeit am Tage mit reduzierter allgemeiner Leistungsfähigkeit.

Wenn irgend möglich, sollte die Diagnose aber durch eine somnopolygraphische Untersuchung in einem Schlaflabor gestützt sein. Dabei werden während der Bettzeit unter anderem Hirnstromkurven und Augenbewegungen aufgezeichnet. Aus diesen Parametern kann dann das Schlafprofil ermittelt werden.

In der Abbildung 4.8 sind zwei solcher Profile schematisiert dargestellt, wie sie bei jüngeren und älteren Schläfern, die sich eines gesunden und erhol-samen Schlafs erfreuen, typisch sind (siehe hierzu auch die Erläuterungen im Glossar unter den Begriffen ,,Schlafprofil“ und ,,Somnopolygramm“):

  • Die Einschlafzeit ist kurz und die Schlafdauer ist ausreichend.
  • Die Schlafstadien werden in einer normalen Zyklik durchlaufen und die Schlafzyklen treten drei bis vier Mal in der Nacht auf.
  • Die Tiefschlafstadien werden hauptsächlich in der ersten Nachthälfte registriert und die Traumschlafstadien sind in der zweiten Nachthälfte verlängert.
  • Es ist kein gehäuftes Erwachen feststellbar.

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Schlafprofil. Dieser Vorgang ist physiologisch bedingt, besitzt also keinen Krankheitswert:

  • Es ist weniger Tiefschlaf vorhanden, das Tiefschlafstadium 4 wird kaum noch oder nicht mehr erreicht. Auch die Gesamtzeit der Tiefschlafstadien ist verkürzt.
  • Die Schlafdauer insgesamt hat abgenommen und kurze Wachzeiten treten häufiger auf.

Wenn diese Merkmale vorhanden sind, dann kann man davon ausgehen, dass der Schlaf erholsam und leistungsfördernd ist.

Schauen wir uns vergleichend hierzu die Abbildung 4.9 an. Sie zeigt die typischen Merkmale einer Insomnie, zum Beispiel:

  • Die Einschlafzeit ist verlängert.
  • Es wird nur wenig und dazu häufig gestörter Tiefschlaf erreicht.
  • Es treten große Wachzeiten und oft kurzes Erwachen auf.

Dieser Schlaf ist für seinen ,,Besitzer“ nur wenig erholsam und kann nur eingeschränkt zur täglichen psychophysischen Regeneration beitragen (siehe hierzu auch Kapitel 2 des Buches).

Es gibt ausreichend verhaltenstherapeutische Konzepte, um ein so gestörtes Schlafverhalten ohne den Einsatz von Schlafmitteln wieder in normale Bahnen zu lenken. In ein solches Behandlungskonzept kann die Ganzkörperkältetherapie additiv eingefügt werden, weil sie helfen kann, die gestörte Homöostase des zentralen Aktivitätsniveaus wieder herzustellen.

Bereits im Ergebnis einer einwöchigen Kältetherapie kann eine deutliche Besserung des Schlafverhaltens erreicht werden. Der Schlaf wird erholsamer, die Leistungsfähigkeit steigt. Dabei sollte man nicht den Fehler begehen, die angestrebte Änderung nur der Kälte zu überlassen. Dazu ist das ursächliche Geschehen zu komplex. Grundlage einer wirkungsvollen und anhaltenden Korrektur gestörten Schlafverhaltens ist die Aufdeckung des individuell oft sehr spezifischen Ursachengefüges.

Basierend auf den vielfältigen und gut begründeten klinischen Erfahrungen, dass die Ganzkörperkältetherapie zu einer Stimmungsaufhellung führt sowie den Erregungszustand nivellieren und das Aktivitätsniveau erhöhen kann, wurden Untersuchungen zu ihrer möglichen Wirkung als begleitende Therapieoption bei depressiven sowie bei affektiven Störungen und bei Angststörungen vorgenommen.

Bei Vorliegen einer depressiven Symptomatik war die Besserung der Schlafstörungen am auffälligsten. Die Verbesserungsrate bei Einschlafstörungen 91%, für Schlafunterbrechungen 98% und für frühes Erwachen 100%. Die Symptome „Langsames Denken, mangelnde Aktivität, Unruhe und allgemeine somatische Störungen“ waren zu 80% gegenüber dem Zustand vor der Ganzkörperkältetherapie positiv verändert. Der zu 80% gebesserte Zustand hinsichtlich Niedergeschlagenheit und suizidaler Tendenzen war ausreichend signifikant. Bei affektiver und depressiver Störung konnte gleichfalls eine starke Besserung / signifikante Minderung der Symptomatik (gastrointestinale und urogenitale Symptome; digestive und sexuelle Symptome, Hypochondrie, Körpergewicht, Kritikfähigkeit) erreicht werden. Allgemeinzustand, körperliche Befindlichkeit, häusliche und berufliche Aktivität und Lebenszufriedenheit besserten sich. Bei depressiv-ängstlicher Symptomatik konnte eine Minderung der Beschwerden um 50% erreicht werden.

Die Ergebnisse lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Ganzkörperkältetherapie bei den genannten Störungen als symptomatische, ergänzende Therapieoption in Betracht gezogen werden kann.

In der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis nimmt die Ganzkörperkältetherapie inzwischen einen festen Platz ein. Die Behandlungsergebnisse sind in einer ganzen Reihe klinischer Studien belegt.

Wie erwähnt, spielen sich die krankhaften Prozesse bei dieser Autoimmunerkrankung vorwiegend in den Gelenken ab (Entzündung der Innenhaut der Gelenkkapsel, Zerstörung von Knorpel- und Knochenstrukturen). Obwohl gerade in letzter Zeit neue Wirkprinzipien (TNF-α-Blockade) in die Therapie aufgenommen werden konnten, ist doch bei ihrer Behandlung weiterhin ein komplexes Vorgehen erforderlich. Das ergibt sich auch aus dem Verständnis der Rheumatoiden Arthritis als eine den gesamten Organismus beeinträchtigende Systemerkrankung. Medikamentöse, gegebenenfalls chirurgische Behandlung, Bewegungstherapien, physikalische Therapie (Wärme- oder Kälteanwendungen) und auch die psychologische Betreuung müssen mit den persönlichen Bewältigungsstrategien der Betroffenen verbunden und aufeinander abgestimmt werden. Hierzu liegt eine umfangreiche, ausgezeichnete beratende Sachliteratur der zuständigen Selbsthilfeorganisationen vor.

Die Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, deren Heilung noch nicht möglich ist, trotz aller Therapiefortschritte. Das Behandlungsziel besteht deshalb darin, eine Abnahme der Krankheitsintensität zu erreichen, um das Fortschreiten aufzuhalten beziehungsweise zu verzögern.

Die Ganzkörperkältetherapie ist in diesem Zusammenhang als eine additive physikalische Therapie zu verstehen, die bei konsequenter Anwendung erfolgreich mithelfen kann, das Behandlungsziel zu erreichen. Sie ist prinzipiell kein Ersatz für andere erprobte Therapien, wenn auch, wie Erfahrung und Studien belegen, bei ihrer Anwendung häufig eine Reduzierung des Arzneimittelverbrauchs möglich ist.

Die Ganzkörperkältetherapie sollte stationär, zweimal, bei hoch aktiven Prozessen dreimal täglich über einen Zeitraum von optimal zwei bis drei Wochen angewendet, der Behandlungsfortschritt in Abständen von zwei bis drei Tagen ärztlich bewertet werden. Wie Frau Dr. Bianka Benkenstein in einer Untersuchung nachweisen konnte, ist aber auch schon mit durchschnittlich 10 bis 15 Kälteexpositionen, selbst bei hoher entzündlicher Krank-heitsaktivität, eine Linderung des Beschwerdebilds, gemessen am Rückgang der Schmerzen und der Bewegungseinschränkungen, zu erreichen. Die Krankheitsschübe werden verkürzt und die entzündliche Aktivität bildet sich zurück.

Auf keinen Fall sollte während der Kältetherapie auf bewegungstherapeutische Aktivitäten verzichtet werden. Bewegung verbessert die Verteilung der Gelenkflüssigkeit und damit die Nährstoffversorgung des Gelenkknorpels. Andererseits wird so der Muskelrückbildung durch Inaktivität entgegengewirkt, die ansonsten zu Sekundärschäden – zum Beispiel am Skelett– führen würde.

Gestützt auf Untersuchungen im akut-klinischen, im rehabilitativen und im kurtherapeutischen Bereich kann man sagen, dass es unter der Ganzkörperkältetherapie zu einer

  • Besserung des Allgemeinbefindens,
  • Schmerzreduktion beziehungsweise –aufhebung sowie zum Rückgang weiterer Entzündungszeichen, wie Schwellung und Erwärmung,
  • Verbesserung der allgemeinen Mobilität und der Gelenkfunktion bei bis zu 60% der Behandelten und
  • Reduzierung der Medikamente (Glukokortikoide und nichtsteroidale Anti-rheumatika) bei 35 bis 40% der Patienten
    kommt. Die Wirkungen sind noch drei bis sechs Monate nach Abschluss der Therapie nachweisbar.

Die Schmerzlinderung wird mit zunehmender serieller Behandlungsdauer nachhaltiger. Die gebesserte Gelenkbeweglichkeit zeigt einen Langzeiteffekt.

Ganzkörperkälteanwendungen können auf direktem Wege – über die Regulierung des zentralen Aktivitätsniveaus – und auch mittelbar, zum Beispiel durch die Aufhebung von Schmerzen, das Schlafverhalten bessern.

Wenn weder organische noch psychische Ursachen für eine Schlafstörung vorliegen, dann spricht man von einer primären Insomnie. Eine Schlafstörung, die dagegen durch chronische Schmerzen bedingt ist, wird zu den sekundären Insomnien gezählt. Sie ist Folge einer anderen gesundheitlichen Störung.

Die Erfahrung zeigt, dass man leider viel zu häufig zu der Meinung gelangen kann, der Schlaf sei gestört. Nicht jedes Ein- oder Durchschlafproblem sollte voreilig zu einem gestörten Schlafverhalten gemacht werden. Oft entsteht gerade daraus, noch dazu wenn schnell zur Schlaftablette gegriffen wird, die eigentliche Schlafstörung. Vor diesen Griff sollte die Erkenntnis gesetzt werden: Das Schlafverhalten ist in erster Linie eine logische Folge des Wachverhaltens. Deshalb ist es auch möglich, mit Hilfe relativ einfacher Mittel und Methoden (körperliche Aktivität, Änderung des Problemlöseverhaltens) eine Zustandsbesserung zu erreichen. Physikalische Therapien, die nach dem ,,Reiz-Reaktion-Adaptationsprinzip“ wirken (siehe auch Kapitel2 des Buches), sind sehr gut geeignet, das gestörte Schlafverhalten zu regulieren. Sie sorgen für psychische Ausgeglichenheit und gesteigerten Muskelstoffwechsel. Auch bereits im Vorfeld einer sich entwickelnden Schlafstörung können sie gute prophylaktische Dienste leisten.

Um eine wirkliche Insomnie, die auch einer Therapie zugängig gemacht werden muss, handelt es sich erst, wenn der Schlaf länger als einen Monat anhaltend gestört ist, die Störung mindestens dreimal in der Woche auftritt und die Leistungsfähigkeit, verbunden mit Tagesmüdigkeit, eingeschränkt ist.

Bei der Schuppenflechte führt die Autoaggressivität des Immunsystems zu einer chronischen Entzündung der Haut. Offenbar durch den Entzündungsreiz bedingt, erhöhen die Keratinozyten ihre Teilungsgeschwindigkeit. Das Ergebnis ist eine Hauterneuerung innerhalb von im Mittel fünf bis sechs Tagen gegenüber etwa einem Monat bei gesunder Haut. Der normale Abnutzungsprozess der Haut ist gestört und es kommt zu einer krankhaften Schuppenbildung. Die erkrankten, scharf begrenzten Hautareale jucken häufig sehr stark.

Auch für die Schuppenflechte konnten auf einigen Genen Defekte gefunden werden, die wahrscheinlich für ihre Entstehung verantwortlich gemacht werden können.

Unterschieden werden die gewöhnliche Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), die Bläschen bildende Form (Psoriasis pustulosa) und die Psoriasis-Arthritis, bei der, wie es der Name sagt, gleichzeitig eine Entzündung von Gelenken vorliegt. Die Ausbildung der einzelnen Psoriasisvarianten kann im Laufe des Lebens wechseln, es können auch mehr als eine Art gleichzeitig auftreten. Der Frühtyp der Erkrankung (Beginn im zweiten Lebensjahrzehnt) scheint stärker genetisch gebunden zu sein als der Spättyp (5./6. Lebensjahrzehnt). Die Krankheitsaktivität kann recht stark variieren, allgemein bekannt ist der Verlauf in Schüben.

 

Da die Schuppenflechte noch nicht geheilt werden kann, richtet sich das Hauptaugenmerk auf die symptomatische Therapie. Neben der lokalen Behandlung – häufig mit Salben – werden Medikamente mit systemischer Wirkung, daneben auch Eingriffe in das Immunsystem, die Foto- und Lasertherapie und spezielle Kurortbehandlungen angewendet.

 

Die Ganzkörperkältetherapie ist erst in den letzten Jahren in das Therapiespektrum der Schuppenflechte getreten. Sie wird inzwischen von vielen Kältetherapiezentren praktiziert und auch von Selbsthilfeorganisationen empfohlen. Es liegen inzwischen durchaus positive Erfahrungen vor. Ein Behandlungszyklus sollte etwa zwei Wochen mit 25 bis 30 Kälteexpositionen umfassen. Die stationäre, mit einem Milieuwechsel verbundene Behandlung ist der ambulanten Therapie vorzuziehen. Lokal applizierte Therapeutika, etwa Salben, müssen vor dem Kammergang sorgfältig entfernt werden. Hinsichtlich der Wirkung der Kälte bei den einzelnen Psoriasisformen sind die bisherigen Erfahrungen unterschiedlich. Am besten scheint die gewöhnliche Schuppenflechte auf den Kältereiz zu reagieren. Schon nach einigen Therapietagen lässt der Juckreiz nach und die Schuppung verläuft weniger intensiv. Gute Therapieerfolge mit Rückbildung der Krankheitsherde bis auf eine Hautrötung ohne Juckreiz sind möglich. Obwohl schwerer durch die Ganzkörperkälte beeinflussbar, sind auch bei den anderen beiden Formen der Schuppenflechte therapeutische Effekte erreichbar, einschließlich einer Minderung der Entzündungszeichen an den betroffenen Gelenken.

Man kann davon ausgehen, dass die therapeutische Wirkung mehrere Monate andauert. Übrigens ist es sinnvoll, die Kälte nicht nur bei beginnendem akuten Schub oder in dessen Verlauf einzusetzen, sondern auch prophylaktisch im schubfreien Intervall.

Zur Stabilisierung des Behandlungserfolgs sollten – wie übrigens auch bei den anderen genannten Therapien – gegebenenfalls krankheitsfördernde Faktoren wie Genussmittelkonsum und Übergewicht nicht außer Acht gelassen werden. Von mit entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg ist die Berücksichtigung der psychischen Komponente der Schuppenflechte. Das wird heute kaum noch bestritten, zumal einseitige Therapiekonzepte nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt haben. Stressverarbeitungsstörungen können die Symptomatik verstärken, beziehungsweise an ihrer Auslösung beteiligt sein, auch mit Zeitverzögerungen.

Die Integrität der Haut ist für das Sozialverhalten besonders wichtig. Das persönliche Erscheinungsbild wird durch sie stark geprägt. Sichtbar krankhafte Zustände der Haut beeinträchtigen das Selbstbewusstsein und können sich auf die soziale Integration negativ auswirken. Nicht selten entwickeln sich hieraus dann weitere gesundheitliche Störungen, auch mit Krankheitswert. Im Vorfeld der Ganzkörperkältetherapie (beziehungsweise parallel dazu) sollte deshalb das individuelle Problemverhalten mit Hilfe des behandelnden Arztes analysiert werden, gegebenenfalls auch unter Hinzuziehung eines psychologischen Therapeuten.

Bemühungen um die Regulierung des zentralen Aktivitätsniveaus und die Korrektur eines möglicherweise gestörten Schlafverhaltens werden, wie wir gesehen haben (im Buch Abschnitt 3.9 und auch 4.7), durch die Kälteanwendung wirkungsvoll unterstützt. Ein Entspannungsverfahren sollte dauerhaft praktiziert werden.

Diese Schlafstörung ist prinzipiell nach den gleichen Kriterien charakterisiert wie die primäre Insomnie, auch gleicht sie dieser in der Symptomatik, die Ursachen sind allerdings in dem chronischen Schmerzgeschehen -begründet. Sie tritt als Folgeerscheinung einer organischen Erkrankung auf. Unzureichende Schmerzbehandlung und falsche oder keine Behandlung der beginnenden Schlafstörung sind leider häufig die Komponenten, die das Geschehen chronifizieren, mit negativen Rückwirkungen auf das Schmerzgeschehen (Abbildung 4.10). Die schmerzlindernde Wirkung der Ganzkörperkälte steht im Vordergrund der Behandlung. Oft bessert sich dann schon nach wenigen Behandlungen mit dem Rückgang der Schmerzen auch der Schlaf. ,,Seit Monaten habe ich das erste Mal wieder gut geschlafen“ – so lautet dann der einfache und befreiende Ausdruck gebesserten Befindens.

Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, die zweite der täglichen Kältebehandlungen in die Abendstunden zu legen, oder, wenn die Voraussetzungen gegeben sind, vor dem Schlafengehen die schmerzhaften Körperpartien mit Kaltluft (-30°C) zu behandeln. Die resultierende Schmerzfreiheit ermöglicht ein schnelles Einschlafen und auch den Verzicht auf die Einnahme von Schmerzmedikamenten.

Tendopathien – degenerative Bindegewebserkrankungen der Sehnenansätze (Tennisellenbogen, Achillessehnenentzündung, Fersenschmerz) – sind in ihrer Entstehung durch chronische Überbelastung begünstigt und reagieren im Allgemeinen sehr gut auf die Ganzkörperkältetherapie. Die mitunter sehr starken Bewegungsschmerzen gehen schon nach 15 bis 20 Therapiegängen zurück. Das sollte aber nicht zu einer vorzeitigen, erneut starken Beanspruchung führen. Schonung und moderater Belastungsaufbau sind die zweckmäßigen Co-Therapeutika.

Es soll auf einige weitere gesundheitliche Störungen beziehungsweise Erkrankungen eingegangen werden, die nicht in der Indikationsliste für die Ganzkörperkältetherapie erfasst wurden, weil die vorliegenden Erfahrungen noch nicht ausreichend sind.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Die positive Wirkung von Kälteanwendungen auf die Haut bei chronisch-entzündlichen und schmerzhaften Darmerkrankungen (wahrscheinlich über so genannte cutiviszerale Reflexe) ist bekannt und auch beschrieben (69).

Der Morbus Crohn befällt vorwiegend das untere Ende des Dünndarms und den Dickdarm, die Colitis ulcerosa dagegen nur den Dickdarm. Die eigentliche Entstehungsursache beider Erkrankungen ist nicht bekannt. Gendefekte sind wahrscheinlich, jedenfalls sprechen neuere Forschungsergebnisse dafür. Ätiologisch spielen aber neben psychosomatischen Komponenten vor allem Entzündungsmediatoren eine Rolle, die vom Immunsystem der Darmschleimhaut freigesetzt werden und den chronischen Entzündungsprozess unterhalten. Der Morbus Crohn kann sich auch außerhalb des Darms manifestieren. So treten unter anderem auch Gelenkentzündungen auf, die für sich schon eine Indikation für die Ganzkörperkältetherapie sein können. Generell können Ganzkörperkälteanwendungen in Anbetracht ihrer systemisch-entzündungshemmenden und -schmerzlindernden Wirkung als additive Therapie herangezogen werden. Einzelbeobachtungen sprechen für Befindlichkeitsbesserungen nach Anwendung der Ganzkörperkältetherapie.

Restless-legs-Syndrom (RLS) und periodische Beinbewegungen im Schlaf

Die Ursache für das RLS (Missempfindungen in den Beinen vor dem Einschlafen, Bewegungsdrang) und für die periodischen Beinbewegungen (Zuckungen: Beugung in Fuß- und Kniegelenk; Zehenstreckung: tonische Kontraktionen während des Einschlafens) ist wahrscheinlich im Zentralen Nervensystem zu suchen. Betroffene haben sicher die Erfahrung gemacht, dass bei leichteren Formen dieser beiden Gesundheitsstörungen physikalische Therapien – Wärme- aber auch Kälteanwendungen – die Beschwerden lindern und bei schwereren Formen die Therapie unterstützen können. In diesem Sinne ist auch die Ganzkörperkältetherapie zu verstehen.

Das RLS tritt gehäuft bei Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis auf (20). Die Kältebehandlung dieser Erkrankung führt dann in der Regel auch zur Linderung der RLS-Beschwerden.

Tinnitus aurium

Einzelne Beobachtungen sprachen bisher dafür, dass die Ganzkörperkältetherapie durchaus positive Wirkungen auf Tinnitusbeschwerden zeigen kann. Diese Beobachtungen werden durch die nachfolgend etwas detailierter dargestellten Studienergebnisse bestätigt.

In einer klinischen Studie, an der in der Untersuchungsgruppe 80 Tinnitus-Patienten (39 bilateraler, 20 rechtsseitiger, 15 linksseitiger, 6 „Tinnitus im Kopf“) mit Beschwerdedauer zwischen einem Monat bis 23 Jahren teilnahmen (Ganzkörperkältetherapie −110 °C in zwei Serien mit insgesamt 10 Expositionen zu je drei Minuten Dauer), konnten folgende Ergebnisse erzielt werden (nach Patientenangaben bzw. audiometrischer Kontrolle): Die Befragung ergab, dass bei vier Patienten der Tinnitus vollständig beseitigt, bei 47 die Intensität gemindert, bei 16 eine leichte Besserung zu verzeichnen und bei 13 Patienten der Befund unverändert war. Audiometrisch ergab sich eine Frequenzänderung des Tinnitus in 138 Ohren, Veränderung der Intensität in 91 Ohren. Eine Minderung der Hörschäden konnte festgestellt werden (28).

Die Indikationslisten einiger kältetherapeutischer Zentren weisen zum Teil noch weitere Erkrankungen als kältetherapierbar aus, die hier mangels persönlicher Erfahrung vom Autor nicht kommentiert werden können. Dazu gehören zum Beispiel die Gichtarthritis und Lähmungen peripherer Nerven.

Eine gleichfalls relativ große Indikationsgruppe für die Ganzkörperkältetherapie stellen die Wirbelsäulensyndrome – vor allem der Hals- und Lendenwirbelsäule – dar. Sie sind so häufig, dass uns Begriffe wie ,,Bandscheibenschäden/Diskopathien“, ,,Hexenschuss/Lumbago“ oder ,,Ischiassyndrom“ nicht unbekannt sind, ja nahezu als zum Leben gehörig betrachtet werden.

Auch unter dem Symptombegriff ,,Rückenschmerzen“ zusammengefasst, haben sie überwiegend ihre Ursache in degenerativen Veränderungen der Bandscheiben und der kleinen Wirbelgelenke. Aber auch Muskeln und Bänder, die als Stütz- und Halteapparat der Wirbelsäule dienen, können somatisch oder funktionell am Krankheitsgeschehen beteiligt sein. Ein schmerzhafter – beziehungsweise schmerzbedingender – Muskelhartspann ent-steht reflektorisch durch die starken (afferenten) Impulse aus den Nozizeptoren im Bereich der Wirbelsäule.

Ursächlich und auch parallel zu den degenerativen Veränderungen laufen entzündliche Prozesse ab.

,,Rückenschmerzen“ haben eine starke Tendenz zur Chronifizierung, führen zu körperlicher Inaktivität, zu Fehlbeanspruchungen im Bewegungsapparat und auch zu reaktiv-depressiven Zuständen.

Die Kältebehandlung kann die Standardtherapien sehr wirksam unterstützen, ja manchmal sogar ersetzen. Die krankheitsunterhaltende Muskelverspannung bildet sich zurück (Reduzierung der nozizeptiven Impulse). Wenn die Kältetherapie rechtzeitig und in Verbindung mit verhaltenstherapeutischen Interventionen einsetzt, kann der Chronifizierung wirksam vorgebeugt werden. Bei Schmerzsyndromen nach Operationen an der Wirbelsäule liefert die Ganzkörperkältetherapie überzeugende Ergebnisse. Auch beim Überlastungssyndrom der Wirbelsäule ist der therapeutische Effekt ausreichend. Der Schmerzdruck im Bandapparat des Beckens lässt nach und die schmerzhafte Muskelverspannung wird reduziert.

Generell sind bei der Behandlung von Wirbelsäulensyndromen bis zu 20 Expositionen sind für eine serielle Kälteanwendung zu empfehlen.